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Mittwoch, 18 Dezember 2013

Der 2. Kongress der polnischen Deutschlandforscher

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AulaDer 2. Kongress der polnischen Deutschlandforscher

 

Fast 300 der wichtigsten polnischen Deutschlandforscher, eine Vielzahl an Panels und Debatten, kulturelle Ereignisse und Experten aus dem Ausland – so präsentierte sich in aller Kürze das Programm des 2. Kongresses der Deutschlandforscher in Breslau. Die Multi-Konferenz wurde in der zweiten Novemberhälfte 2013 vom Willy Brandt Zentrum für Deutschland- und Europastudien der Universität Wrocław in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Akademischen Austauschdienst, Odra-Film und der Deutschen Sozial-Kulturellen Gesellschaft in Breslau organisiert und stand unter dem Thema „(Un-)bekanntes Deutschland". Der erste Kongress hatte vor drei Jahren stattgefunden und sich ähnlich großen Interesses erfreut.

 

Wie wichtig dieser Kongress war, davon zeugte beredt der Rang der Schirmherrschaft – auch dieses Mal übernahm sie der Bevollmächtigte für internationale Angelegenheiten in der Regierung von Donald Tusk, der Außenminister Polens a. D., Władyslaw Bartoszewski. Wodurch zeichnet sich die „Kultur der Nachbarschaft" aus und leiden wir unter „Verlustängsten"? Darüber diskutierten zu Beginn des Kongresses in der Aula Leopoldina bekannte „Grenzgänger" wie Prof. Stefan Chwin, Dr. Andreas Lawaty und Dr. Jörg Bernig. Die Diskussion moderierten Prof. Krzysztof Ruchniewicz und Prof. Marek Zybura.

 

Der wichtigste Tag war der zweite – seit dem Morgen fand in mehreren Gebäuden der Universität eine Vielzahl an Podiumsdiskussionen statt. Zur Teilnahme daran hatten sich Forscher und Forscherinnen schon Wochen zuvor angemeldet, zur Wahl standen mehrere interdisziplinäre Sektionen, darunter die Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts, die Gesellschaft und das politische Systems Deutschlands, der Kulturtransfer und Deutschland im internationalen System. Die Sektionen wurden in viele Panels eingeteilt. Aus diesem Grund konnte jeder Wissenschaftler an mehreren Foren teilnehmen. Den Veranstaltern war wichtig, dass es gelingt, die Themen anzusprechen, die unseren westlichen Nachbarn bewegen, sowie zur besseren Vernetzung unter den verschiedenen Generationen der polnischen Deutschlandforscher selbst beizutragen. Es wurde u. a. darüber diskutiert, wie unser westlicher Nachbar mit der Europa-Krise klarkommt, welche Folgen die diesjährigen Bundestagswahlen haben werden oder ob die türkischen Migranten ein Problem für die deutsche nationale Identität darstellen. Die ganze Problematik wurde in einer speziell dafür erstellten Broschüre präsentiert, die auf der Homepage des Kongresses für die Interessenten immer noch zur Verfügung steht (vlg. www.zjazdniemcoznawcow.pl).

 

Braun

Der Breslauer Kongress war nicht nur ein Treffen unter Wissenschaftlern. Den Kongress begleiteten unterschiedliche öffentliche Veranstaltungen. In der Buchhandlung „Tajne Komplety" wurde eine Autorenlesung mit Volker Braun, einem der bekanntesten deutschen Dichter, Prosaautoren und Dramatiker, organisiert. Während des Treffens stellte der Autor seine neueste Publikation, einen retrospektiven deutsch-polnischen Gedichtband „Das Gleichgewicht / Rownowaga", vor, und die Übersetzer lasen ihre Übertragungen. Zur selben Zeit fand im Niederschlesischen Filmzentrum ein Gespräch mit den bekanntesten polnischen Filmwissenschaftlern und Filmjournalisten statt. Die Praktiker suchten die Antwort auf die provokative Frage „Ist Deutschland sexy? / Kogo krecą Niemcy?". Die Zuschauer konnten Auszüge aus 13 polnischen und deutschen Spielfilmen sehen, die den jeweiligen Nachbarn auf stereotype Art und Weise darstellten. Ebenfalls an diesem Tag fand am Sitz der Deutschen Sozial-Kulturellen Gesellschaft in Breslau, einem der Partner des Zentrums bei der Organisation des Kongresses, eine Diskussion von Vertretern der nationalen und ethnischen Minderheiten mit dem Titel „Erbe, Identität und Zukunft der nationalen und ethnischen Minderheiten in Polen" statt.

 

Am dritten und letzten Tag des 2. Kongresses wurden unterschiedliche interdisziplinäre Foren abgehalten. Es trafen sich junge Forscher (die Doktoranden diskutierten über Methoden und Forschungsinstrumente, die Studierenden wählten ein konkretes Thema: „Ich bin ein Berliner – die transatlantische Dimension der Zusammenarbeit zwischen der BRD und den Vereinigten Staaten nach 1945"), zusammen kamen darüber hinaus die Vertreter von unterschiedlichen wichtigen Förderinstitutionen, wie Cornelius Ochmann von der Stiftung für Deutsch-Polnische Zusammenarbeit, Dr. Peter Hiller vom Deutschen Akademischen Austauschdienst, Witold Gnauck von der deutsch-polnischen Wissenschaftsstiftung, Dr. Jens Stüben vom Bundesinstitut für Kultur und Geschichte der Deutschen in Ostmitteleuropa, Rafal Bartek vom Haus der Deutsch-Polnischen Zusammenarbeit sowie Prof. Piotr Madajczyk vom Institut für Politische Studien der Polnischen Akademie der Wissenschaften.

Die Bibliothekare hatten eine eigene Sektion organisiert und diskutierten zum Thema „Das zeitgenössische Deutschland (nach 1989) in den Buchsammlungen der polnischen Bibliotheken und Kulturinstitutionen". Auch die Verleger durften nicht fehlen, die sich am runden Tisch trafen und über das abnehmende Interesse für das deutsche Buch in Polen sowie den Mangel an Besprechungen der deutschen Literatur in den polnischen Medien unterhielten.

 

An dem Kongress nahmen Vertreter unterschiedlicher Fachdisziplinen teil, die sich mit Deutschlandthemen beschäftigen. Der interdisziplinäre Charakter des Kongresses erlaubte, einen Austausch von Meinungen sowie unterschiedliche Zugänge zum komplexen Thema Deutschland zu finden und auf diese Weise die Spezifika der methodologischen Vorgehensweise deutlich zu machen. Als Ergebnis des Kongresses soll ein Kompendium des Wissens über Deutschland entstehen. Es wird an eine Art Lexikon gedacht.

Man kann abschließend sagen, dass das Interesse für die Deutschlandforschung nach wie vor groß ist. Es ist ein gutes Signal für die Zukunft und genug Ansporn für das Breslauer Zentrum für Deutschland- und Europastudien, um in drei Jahren den nächsten Kongress zu organisieren.

 

Alicja Kuropatwa

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